Wir wollen nicht vergessen.“ - Jugendbildungsfahrt nach Auschwitz

Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren auf den Spuren der deutschen Vergangenheit

„Wir wollen nicht vergessen“, so lautete der Titel der Jugendbildungsfahrt nach Auschwitz der Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Bad Kreuznach in Kooperation mit der JugendBegegnungsStätte (JBS) St. Michael, Boppard und der Jugendpastoral des Dekanats Birkenfeld.
Erstes Ziel der Reise war Görlitz und der jüdische Friedhof bevor auf der polnischen Seite. Dort traf die Gruppe Justyna Michniuk von der jüdischen Organisation „rent a jew“. Im Gespräch mit ihr ging es um jüdische Riten und das jüdische Lebensgefühl in Deutschland. In Auschwitz stand zunächst die Besichtigung der „alten Judenrampe“ an. Hier selektierte die SS im Nationssozialismus von Frühjahr 1942 bis Mai 1944 die im Zug ankommenden Juden. 70 – 75% der Menschen wurden sofort in die Gaskammern geschickt, während andere sich zu Tode arbeiten.
Betroffenheit herrschte bei einer vierstündigen Führung durch das Konzentrationslager Auschwitz, Unmengen an Schuhen, Brillen, Haaren und Bürsten, die zu sehen waren, ebenso auch Portraitfotos der Lagerinsassen und Ermordeten. Formen von Kunst, in einer Atmosphäre der Erniedrigung verdeutlichte eine Kunstausstellung.
Auch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau stand auf dem Programm Ein Ort an dem Millionen Menschen erst vergast und verbrannt wurden. „Ein komisches Gefühl in der Nähe der Krematorien über Wiesen zu gehen, über die Asche vom Verbrannten“ so eine jugendliche Teilnehmerin.
Bewegend das Zeitzeugengespräch mit Zdzislawa Wlodarczyk. Als Zehnjährige wurde sie im Herbst 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihre Erzählungen über kleinste Gesten der Menschlichkeit verdeutlichten wie wichtig der sensible Umgang mit Menschen ist. Dies gilt gerade auch heute im Umgang mit Fremden und Geflüchteten. Der Tag endete mit einem Gespräch mit einem Dialog und Gebet Pater Manfred Deselaers.
Zwei Tage standen im Zeichen der Besichtigung Krakaus. Der Film „Schindlers Liste“ führte die Leiden der jüdischen Bevölkerung Krakaus plastisch vor die Augen. Mit einem Aufenthalt auf der Rückfahrt in Dresden endete diese Fahrt.
Für die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren wurde deutsche Vergangenheit erlebbar. Wichtig sind die Schlüsse, die sie für die Gegenwart daraus ziehen. Wie verhalte ich mich im Zeichen eines immer stärker werdenden Nationalismus, der das eigene Volk gegenüber anderen Völkern heraushebt und die anderen dadurch erniedrigt? Ein weißer Stein, gelegt an eine Schiene der „Judenrampe“, trägt die Aufschrift „past or future?“ Oder wie Primo Levi auf einer Tafel im KZ Auschwitz formulierte: „Es passierte, deshalb kann es wieder passieren: dies ist der Kern von dem, was wir zu sagen haben.“
Die Fahrt wurde finanziell vom Kreuznacher Fonds, www.fuervielfalt.de und dem Bildungswerks Hesdörfer, www.bw-hd.de, unterstützt.