Freude herrscht bei der Katholischen Filialgemeinde in Urbar über die gelungene Restaurierung ihres Hochaltares, der vor etwa 50 Jahren beinahe verloren ging. Er stammt aus dem 18. Jahrhundert und befand sich ursprünglich in der 1956 abgebrochenen St.-Antonius-Kirche. Als 1956/57 die neue Kirche erbaut wurde, nahm man Abstand davon, ihn wieder aufzustellen und lagerte ihn ein. Vermutlich bezweifelte man, dass sich der Barockaltar in die neuzeitliche Kirche harmonisch einfüge. Der ersatzweise beschaffte neue Zelebrationsaltar aus Marmor kostete 14.000 DM.

In den 1960er Jahren entstanden Pläne, die Stirnseite der Kirche mit einem Sgraffito zu schmücken. Doch dann kam wieder der Barockaltar ins Gespräch, zumal es in anderen neuzeitlichen Kirchen gelungen war, die alte Ausstattung eindrucksvoll zu integrieren.

Im Juli 1967 besichtigte Diözesankonservator Dr. Ronig die Reste der alten Barockausstattung und die neue Kirche. Darüber hat er u. a. festgehalten: „Altar und Kanzel sind in einem denkbar schlechten Zustand, der sich durch die zu lange und schlechte Lagerung erklärt. Der Diözesankonservator äußerte sein Befremden darüber. Jedoch ist noch so viel vorhanden, dass sich eine Restaurierung und Wiederaufstellung lohnt; allerdings sind einige Rekonstruktionen nötig. – Der Diözesankonservator erbot sich, die Reste abtransportieren zu lassen, falls die Gemeinde die Wiederher- und Aufstellung ablehne; andere Kirchen wären begierig nach solchen Stücken.“

Diese Strafpredigt fruchtete, der Altar wurde für 8.000 DM restauriert und 1968 in der neuen Kirche wieder aufgebaut.

Nunmehr wurden nach rund 40 Jahren Holzwurmbefall und weitere Schäden festgestellt, so dass sich die Kirchengemeinde entschloss, eine erneute Restaurierung durchzuführen. Zunächst erfolgten im Sommer d. J. zur Holzwurmbekämpfung eine Begasung und später die erforderlichen Restaurierungsarbeiten. Um dem Altar ein einheitlicheres Bild zu geben, erhielt er teilweise eine neue farbliche Fassung.

Der Altar hat keine einheitliche Entstehungszeit. So stammt der barocke Altaraufsatz (Retabel) aus dem Jahre 1715. Den Beleg dafür bietet eine tief eingestemmte Inschrift auf der Rückseite der Nische, in der die Madonnenstatue steht. Sie lautet: „HER / IOHANNES GEBORS / PASTOR / WENDEL . MVDERS / SENDSCHEFFEN / 1715.“ Man kann davon ausgehen, dass es sich bei IOHANNES GEBORS um eine mundartliche Variante von Johannes Gebührs handelt. Er war in jener Zeit Pfarrer der Oberweseler Martinskirche, von der die Urbarer Filialkirche betreut wurde. Vermutlich haben die genannten Personen den Altar gestiftet. Der Tabernakel und der Rahmen des Antependiums, der Vorderseite des Altartisches, stammen aus der Zeit des Rokokos. Teile der Predella, des Sockels für den Altaraufsatz, und der Unterbau mussten 1968 ergänzt werden, weil sie verloren gegangen waren.

Die obere Skulptur, um das Jahr 1500 entstanden, stellt den zweiten Kirchenpatron, den hl. Bernhard von Clairvaux, dar. Er trägt das Ordenshabit der Zisterzienser mit weißer Albe und braunem Skapulier. Links auf dem Gebälk steht die Figur der hl. Mutter Anna mit Maria, rechts die Figur des hl. Josefs mit dem Jesuskind. Als Entstehungsjahr wird für beide Figuren, die nach mehr als 50 Jahren wieder auf ihre angestammten Plätze zurückkehrten, das Jahr 1715 angesetzt. Die zentrale Statue ist die Madonna (Typ „Immaculata Conzeptio“/Unbefleckte Empfängnis) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.